Kotter ordnet Veränderung sequentiell.

Es ist Bewegung ohne Regelmutation.

Status-Deklaration

Status:
Dieser Text setzt keine Lösung voraus.
Er klassifiziert ein konkret eingesetztes Change-Modell (Kotter 8-Step)
unter der Annahme, dass strukturelle Mutation nur unter formalem Zugriff auf Regelstruktur möglich ist.

Wo ein solcher Zugriff nicht explizit identifizierbar ist,
gilt strukturell: Ψ = 0.

Dieser Text enthält keine Empfehlung,
keine Bewertung der Popularität oder Anschlussfähigkeit,
keine Aussage über Motivation oder Führungsqualität.

Er prüft Zulässigkeit.


Klassifikationsobjekt

Objekt: Kotter’s 8-Step Change Model
Typ: Sequenzielles Phasenmodell
Einsatzkontext: Großorganisationen, Transformation, Kultur- und Strategieprogramme
Analyseebene: Struktur vs. Zustand (RSSA angewendet)


Warum Veränderung in acht Schritten trotzdem stehen bleibt

Das Kotter-Modell gilt als Blaupause für erfolgreichen Wandel.
Es verspricht Ordnung im Chaos durch Sequenz.
Dringlichkeit.
Vision.
Koalition.
Quick Wins.

Die zugrunde liegende Annahme lautet:
Wenn Wandel richtig gestartet, kommuniziert und verankert wird,
verändert sich das System.

Das Problem ist nicht, dass diese Schritte wirkungslos wären.
Das Problem ist, dass sie nicht auf die Ebene zielen,
auf der Systeme entscheiden, was sie dürfen.

Kotter beschreibt Abläufe.
Nicht Zugriffe.


Strukturprüfung

Ein System gilt nach Kotter als „im Wandel“, wenn:

  • Dringlichkeit erzeugt wurde
  • Führung mobilisiert ist
  • Visionen formuliert und kommuniziert sind
  • Hindernisse entfernt wurden
  • Erfolge sichtbar sind
  • Neues kulturell verankert wurde

Keiner dieser Schritte definiert:

  • welche Regel geändert wird
  • wer diese Regel ändern darf
  • wie Wiederholung strukturell wirkt
  • wann ein Eingriff nicht zulässig ist

Das Modell ordnet Bewegung.
Es definiert keine Regelmutation.


Wiederholung sichtbar machen

Typisches Muster:

Eine Organisation startet eine Transformation nach Kotter.
Dringlichkeit wird ausgerufen.
Ein Steering Committee gebildet.
Eine Vision kommuniziert.

Quick Wins werden gefeiert.
Erfolge präsentiert.
Das Programm gilt als erfolgreich.

Ein Jahr später:

Entscheidungen laufen über dieselben Gremien.
Eskalationen folgen derselben Logik.
Abweichungen benötigen dieselben Freigaben.

Die Vision wird erneuert.
Die Dringlichkeit neu betont.
Ein weiteres Programm gestartet.

Das ist kein Scheitern.
Das ist sequenzielle Wiederholung unter invarianten Regeln.


Klassifikation

Solange ein Change-Modell:

  • Wandel als Abfolge von Phasen beschreibt
  • Erfolg über Fortschritt und Momentum definiert
  • Kultur als Endpunkt adressiert

ohne explizit zu bestimmen,

  • welche Regel außer Kraft gesetzt wird
  • welche neue Regel gilt
  • wie Wiederholung diese Regel verändert

bleibt es zustands- und zeitbasiert.

Zeit ist keine Struktur.
Sequenz ist kein Zugriff.


Formale Einordnung (KOGNETISCH)

Struktureller Wandel ist definiert als:

Ψ = ∂S / ∂R
(Ableitung der Struktur unter Wiederholung)

Für Kotter gilt:

  • Wiederholung: vorhanden
  • Zustandsveränderung: sichtbar
  • Regelmutation: nicht identifizierbar

Daraus folgt formal:

  • Ψ = 0
  • Struktur bleibt invariant
  • Wandel bleibt kosmetisch im strukturellen Sinn

Regime-Zuordnung

Regime: G₅ – Null-Regime-Blindheit

Begründung:
Regelinvarianz wird als unzureichende Umsetzung,
nicht als fehlender Regelzugriff interpretiert.


Schluss

Kotter beschreibt,
wie sich Organisationen in Bewegung setzen.

Nicht,
ob sie sich strukturell verändern dürfen.

Das ist kein Detail.
Es ist ein Kategorienfehler.

Solange keine Regelmutation identifizierbar ist,
gilt strukturell:

Ψ = 0

Wandel bleibt Bewegung.


Index-Metadaten

  • Index: Drift-Spiegel · Klassifikationsinstanz
  • Objekt: Kotter 8-Step Change Model
  • Ψ-Status: Ψ = 0
  • Regime: G₅
  • Version: v1.0
  • Datum: 2026-02-09
  • Lizenz: KOGNETIK® · Ψ-Klassifikation