Behavioral Change Programs adressieren Verhalten.

Sie sind Verhaltenslenkung ohne Regelautorität.


Status-Deklaration

Status:
Dieser Text setzt keine Lösung voraus.
Er klassifiziert ein konkret eingesetztes Interventionsinstrument (Behavioral Change Programs: Nudging / Habit Formation)
unter der Annahme, dass strukturelle Mutation nur unter formalem Zugriff auf Regelstruktur möglich ist.

Wo ein solcher Zugriff nicht explizit identifizierbar ist,
gilt strukturell: Ψ = 0.

Dieser Text enthält keine Empfehlung,
keine Bewertung verhaltensökonomischer Wirksamkeit,
keine Aussage über ethische Angemessenheit.

Er prüft Zulässigkeit.


Klassifikationsobjekt

Objekt: Behavioral Change Programs (Nudging / Habits)
Typ: Verhaltensintervention / psychologisch-informiertes Steuerungsinstrument
Einsatzkontext: Compliance, Effizienzsteigerung, Sicherheits- und Kulturprogramme
Analyseebene: Struktur vs. Zustand (RSSA angewendet)


Warum Verhalten keinen Regelzugriff erzeugt

Behavioral Change Programs werden eingesetzt,
um Verhalten in gewünschte Bahnen zu lenken.

Typischerweise arbeiten sie mit:

  • Entscheidungsarchitekturen
  • Defaults
  • Anreizen und Friktionen
  • Habit-Bildung

Die zugrunde liegende Annahme lautet:
Wenn Verhalten systematisch beeinflusst wird,
verändert sich das System.

Diese Annahme ist verhaltenslogisch plausibel.
Sie ist jedoch strukturell unzureichend.

Denn Verhalten beschreibt Ausführung unter Regeln,
nicht die Regeln selbst.


Strukturprüfung

Ein System gilt unter Behavioral Change Programs als „wirksam beeinflusst“, wenn:

  • gewünschtes Verhalten häufiger auftritt
  • unerwünschtes Verhalten abnimmt
  • Entscheidungsprozesse gelenkt werden

Das Instrument beantwortet:

  • Wie entscheiden Menschen?
  • Wie lässt sich Verhalten umlenken?

Es beantwortet nicht:

  • welche Regel dieses Verhalten erzwingt
  • ob diese Regel verändert werden darf
  • wer strukturellen Zugriff besitzt
  • wie Wiederholung Regelmutation erzeugt

Lenkung ersetzt keinen Zugriff.
Gewohnheit ersetzt keine Autorisierung.


Wiederholung sichtbar machen

Typisches Muster:

Ein Nudging-Programm wird eingeführt.
Entscheidungsumgebungen werden angepasst.
Verhalten ändert sich messbar.

Die Maßnahme gilt als erfolgreich.

Ein Jahr später:

Neue Zielverhalten werden definiert.
Neue Nudges werden implementiert.
Die zugrunde liegenden Entscheidungsregeln bleiben identisch.

Die Intervention wird erneuert.
Die Struktur bleibt gleich.

Das ist kein Wirkverlust.
Das ist rekursive Verhaltensmodulation unter stabiler Regelstruktur.


Klassifikation

Solange ein Instrument:

  • Verhalten beeinflusst
  • Entscheidungen lenkt
  • Gewohnheiten etabliert

ohne explizit zu bestimmen,

  • welche Regel betroffen ist
  • wie Regelmutation erfolgt
  • wie Wiederholung strukturell wirkt

bleibt es zustands- und verhaltensbasiert.

Verhalten ist kein Regeloperator.


Formale Einordnung (KOGNETISCH)

Struktureller Wandel ist definiert als:

Ψ = ∂S / ∂R

Für Behavioral Change Programs gilt:

  • Wiederholung: vorhanden
  • Zustandsänderung: verhaltensbezogen
  • Regelmutation: nicht identifizierbar

Daraus folgt formal:

  • Ψ = 0
  • Struktur invariant
  • Lenkung ohne strukturelle Konsequenz

Regime-Zuordnung

Regime: G₁ – RSSA-Verletzung

Begründung:
Zustandsveränderung (Verhalten)
wird implizit als Strukturveränderung behandelt.


Schluss

Behavioral Change Programs zeigen,
wie Verhalten gesteuert werden kann.

Nicht,
ob die zugrunde liegenden Regeln
verändert werden dürfen.

Das ist keine Kritik an Verhaltensforschung.
Es ist eine Grenzbestimmung.

Solange Regelzugriff nicht explizit adressiert ist,
gilt strukturell:

Ψ = 0

Lenkung bleibt ohne Regelwirkung.


Index-Metadaten

  • Index: Drift-Spiegel · Klassifikationsinstanz
  • Objekt: Behavioral Change Programs (Nudging / Habits)
  • Ψ-Status: Ψ = 0
  • Regime: G₁
  • Version: v1.0
  • Datum: 2026-02-09
  • Lizenz: KOGNETIK® · Ψ-Klassifikation