Es ist Hypothesenlernen ohne Regelmutation.
Status-Deklaration
Status:
Dieser Text setzt keine Lösung voraus.
Er klassifiziert ein weit verbreitetes Change-Vorgehen (Lean Change Management)
unter der Annahme, dass strukturelle Mutation nur unter formalem Zugriff auf Regelstruktur möglich ist.
Wo ein solcher Zugriff nicht explizit identifizierbar ist,
ist keine Aussage über strukturellen Wandel zulässig.
Dieser Text enthält keine Empfehlung,
keine Bewertung iterativer Wirksamkeit,
keine Aussage über Innovationsfähigkeit.
Er prüft Zulässigkeit.
Klassifikationsobjekt
Objekt: Lean Change Management
Typ: Hypothesen- und Experimentieransatz
Einsatzkontext: Agile Transformationen, Produkt- und Organisationsentwicklung
Analyseebene: Struktur vs. Zustand (RSSA angewendet)
Warum Lernen keinen Regelzugriff erzeugt
Lean Change Management überträgt
Prinzipien aus Lean Startup und Agilität
auf organisatorische Veränderung.
Typischerweise wird gearbeitet mit:
- Hypothesen über Veränderungswirkungen
- kleinen Experimenten
- Feedback-Schleifen
- iterativem Lernen
Die zugrunde liegende Annahme lautet:
Wenn Veränderung experimentell gelernt wird,
passt sie sich besser an reale Bedingungen an.
Diese Annahme ist lernlogisch konsistent.
Sie ist jedoch strukturell unbestimmt.
Denn Lernen beschreibt Anpassung von Annahmen,
nicht Zugriff auf Regelstruktur.
Strukturprüfung
Ein System gilt unter Lean Change Management als „adaptiv“, wenn:
- Hypothesen getestet werden
- Experimente ausgewertet werden
- Maßnahmen iterativ angepasst werden
Der Ansatz beantwortet:
- Was wirkt?
- Was müssen wir anpassen?
Er beantwortet nicht:
- welche Regel diese Wirkungen begrenzt
- ob diese Regel verändert werden darf
- wer formale Regelautorität besitzt
- wie Wiederholung strukturell wirkt
Experimentieren ersetzt keine Autorisierung.
Lernen ersetzt keinen Regelzugriff.
Wiederholung sichtbar machen
Typisches Muster:
Ein Lean-Change-Ansatz wird eingeführt.
Experimente werden durchgeführt.
Lernfortschritte werden sichtbar.
Anpassungen erfolgen schneller.
Die Organisation wirkt beweglich.
Ein Jahr später:
Neue Hypothesen entstehen.
Neue Experimente werden aufgesetzt.
Die Entscheidungs- und Eskalationsregeln bleiben identisch.
Das Lernen wiederholt sich.
Die Struktur bleibt stabil.
Das ist kein Scheitern des Ansatzes.
Das ist rekursives Lernen unter stabiler Regelstruktur.
Klassifikation
Solange ein Ansatz:
- Hypothesen testet
- Experimente ermöglicht
- Lernen organisiert
ohne explizit zu bestimmen,
- welche Regel betroffen ist
- wie Regelmutation erfolgt
- wie Wiederholung strukturell geprüft wird
bleibt er lern- und zustandsbasiert.
Lernen ist kein Regeloperator.
Formale Einordnung (KOGNETISCH)
Struktureller Wandel ist definiert als:
Ψ = ∂S / ∂R
Für Lean Change Management gilt:
- Wiederholung: vorhanden
- Zustandsänderung: lernbasiert
- Regelmutation: nicht identifizierbar
Daraus folgt formal:
- Ψ undefiniert
- keine Aussage über strukturellen Wandel zulässig
Regime-Zuordnung
Regime: G₃ – Driftbehauptung ohne definierte Rekurrenz
Begründung:
Lernfortschritt wird implizit
als strukturelle Veränderung interpretiert,
ohne Regelwirkung explizit zu prüfen.
Schluss
Lean Change Management zeigt,
wie Veränderung gelernt werden kann.
Nicht,
ob sie strukturell erlaubt ist.
Das ist keine Kritik an Experimenten.
Es ist eine Grenzbestimmung.
Solange Regelzugriff nicht explizit adressiert ist,
bleibt strukturell:
Ψ undefiniert
Keine Aussage zulässig.
Index-Metadaten
- Index: Drift-Spiegel · Klassifikationsinstanz
- Objekt: Lean Change Management
- Ψ-Status: Ψ undefiniert
- Regime: G₃
- Version: v1.0
- Datum: 2026-02-09
- Lizenz: KOGNETIK® · Ψ-Klassifikation