Sie verändern Deutungen, nicht die Regeln, die sie stabilisieren.
Status-Deklaration
Status:
Dieser Text setzt keine Lösung voraus.
Er klassifiziert ein weit verbreitetes Transformationsformat (Culture Change Programs)
unter der Annahme, dass strukturelle Mutation nur unter formalem Zugriff auf Regelstruktur möglich ist.
Wo ein solcher Zugriff nicht explizit identifizierbar ist,
ist keine Aussage über strukturellen Wandel zulässig.
Dieser Text enthält keine Empfehlung,
keine Bewertung kultureller Tiefe,
keine Aussage über Sinnhaftigkeit von Werten oder Leitbildern.
Er prüft Zulässigkeit.
Klassifikationsobjekt
Objekt: Culture Change Programs
Typ: Werte-, Haltungs- und Bedeutungsintervention
Einsatzkontext: Großtransformationen, Leadership-Programme, Post-Merger-Integration
Analyseebene: Struktur vs. Zustand (RSSA angewendet)
Warum Kultur kein Regelzugriff ist
Culture Change Programs zielen darauf ab,
das „Wie wir hier arbeiten“ zu verändern.
Typischerweise adressieren sie:
- Werte und Leitbilder
- gewünschte Haltungen
- Verhaltensprinzipien
- Narrative über Zusammenarbeit und Führung
Die zugrunde liegende Annahme lautet:
Wenn sich Kultur verändert,
verändert sich die Organisation.
Diese Annahme ist soziologisch anschlussfähig.
Sie ist jedoch strukturell unbestimmt.
Denn Kultur beschreibt geteilte Bedeutungen,
nicht die Regeln,
die Entscheidungen, Macht und Wiederholung tatsächlich festlegen.
Strukturprüfung
Ein System gilt unter Culture Change Programs als „gewandelt“, wenn:
- neue Werte formuliert sind
- gewünschtes Verhalten kommuniziert wird
- kulturelle Rituale etabliert werden
Das Programm beantwortet:
- Wie sollen wir denken und handeln?
- Welche Haltungen sind erwünscht?
Es beantwortet nicht:
- welche Regel diese Haltungen überschreibt
- ob bestehende Entscheidungsregeln verändert werden dürfen
- wer formale Regelautorität besitzt
- wie Wiederholung strukturell geprüft wird
Bedeutung ist kein Zugriff.
Haltung ist keine Regel.
Wiederholung sichtbar machen
Typisches Muster:
Ein Kulturprogramm wird gestartet.
Werte werden neu formuliert.
Führungskräfte werden geschult.
Die Sprache verändert sich.
Verhalten wirkt angepasst.
Ein Jahr später:
Neue Zielkonflikte entstehen.
Entscheidungen folgen erneut den alten Macht- und Eskalationsregeln.
Das Kulturprogramm wird „nachgeschärft“.
Die Bedeutungen rotieren.
Die Regelstruktur bleibt stabil.
Das ist kein Zynismus.
Das ist rekursive Bedeutungsarbeit unter stabiler Regelstruktur.
Klassifikation
Solange ein Programm:
- Bedeutungen verschiebt
- Haltungen adressiert
- Verhalten normativ rahmt
ohne explizit zu bestimmen,
- welche Regel betroffen ist
- wie Regelmutation erfolgt
- wie Wiederholung strukturell wirkt
bleibt es kulturell wirksam,
aber strukturell unbestimmt.
Kultur wirkt innerhalb von Regeln.
Sie ersetzt sie nicht.
Formale Einordnung (KOGNETISCH)
Struktureller Wandel ist definiert als:
Ψ = ∂S / ∂R
Für Culture Change Programs gilt:
- Wiederholung: vorhanden
- Zustandsänderung: kulturell vermittelt
- Regelmutation: nicht identifizierbar
Daraus folgt formal:
- Ψ undefiniert
- keine Aussage über strukturellen Wandel zulässig
Regime-Zuordnung
Regime: G₅ – Null-Regime-Blindheit
Begründung:
Regelinvarianz wird als kulturelles Problem interpretiert
und mit Bedeutungsarbeit adressiert.
Schluss
Culture Change Programs verändern,
wie Organisationen über sich sprechen.
Nicht,
wie sie strukturell entscheiden.
Das ist keine Abwertung von Kultur.
Es ist eine Klassifikationsgrenze.
Solange Regelzugriff nicht explizit adressiert ist,
bleibt strukturell:
Ψ undefiniert
Index-Metadaten
- Index: Drift-Spiegel · Klassifikationsinstanz
- Objekt: Culture Change Programs
- Ψ-Status: Ψ undefiniert
- Regime: G₅
- Version: v1.0
- Datum: 2026-02-09
- Lizenz: KOGNETIK® · Ψ-Klassifikation